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06.09.2009 Von: hs
 

10. VEJ - Mediendialog

4. und 5. September 2009 in München - Laudatio Ernst Hinsken


    

Laudatio Ernst Hinsken, 5. September 2009

 

Lieber Herr Hinsken,
Anrede

Es ist mir eine große Freude, Sie heute mit der Ehrenmitgliedschaft der Vereinigung Europäischer Journalisten auszuzeichnen. Wir ehren damit eine Persönlichkeit, die nicht nur aus tiefsten Herzen für Europa eintritt, sondern die sich vor allem als Beauftragter der Bundesregierung für Tourismus besondere Verdienste erworben hat. Denn, und nun kommt die Begründung: Die Vereinigung Europäischer Journalisten ist zugleich deutsche Sektion der F.I.J.E.T., der Fédération Internationale des Journalistes et Ecrivains du Tourisme. Dieser Verband wurde 1954 in Paris gegründet und vereint aktuell über 900 journalistische Mitglieder in 40 Ländern. In den Statuten der F.I.J.E.T. heißt es unter anderem: Die Ziele sind: „To bring people and nations together to promote world peace“. Oder an anderer Stelle: „Defense of the right for all people to travel freely”. Die F.I.J.E.T. tritt außerdem ein für einen ökologisch vernünftigen Tourismus, der die Natur und die kulturellen Besonderheiten schützt. Ihre Mitglieder tauschen die neuesten Erkenntnisse im Rahmen der Tourismusforschung aus, verbreiten sie und tragen so dazu bei, die Ziele beim Touristen selbst populär zu machen. So verfolgt die F.I.J.E.T. ganz ähnlich wie die VEJ durchaus politische Inhalte.

Vor diesem Hintergrund fügt es sich ausgezeichnet zusammen, dass wir heute den Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, Ernst Hinsken, der dieses Amt seit 2005 ausübt, auszeichnen. Im Mittelpunkt einer Laudatio steht der Blick auf die Leistungen des neuen Ehrenmitglieds. Hier darf ich mit ein paar ganz persönlichen Erinnerungen beginnen. Es war zu Beginn der 80er Jahre, als wir uns in Bonn zum ersten Mal begegnet sind. Im Jahr 1980, als Franz-Josef Strauß Bundeskanzler werden wollte, zogen Sie in den Deutschen Bundestag ein. Dieser Wahl ging das übliche Prozedere voraus, das Erklimmen einer langen parteiinternen Aufstiegsleiter:

Neun Jahre Kreisvorsitzender der Jungen Union, CSU-Bezirksvorstand Niederbayern, Mitglied des Kreistages, Kreisvorsitzender der CSU Straubing-Bogen, Mitglied der Mittelstandsunion in der CSU. Als solcher kandidierten Sie auch für den MIT-Bundesvorstand und hatten dort bald ein Abonnement auf den zweitbesten Platz. Ich zitiere aus dem Mittelstandsmagazin vom 29. April 1983: Erster Platz der Beisitzer Peter Schmidhuber mit 487 Stimmen, zweiter Platz Ernst Hinsken MdB mit 482 Stimmen. Oder 1985: Peter Schmidhuber mit 478 Stimmen gefolgt von Ernst Hinsken mit 476 Stimmen. Auch die Nichtbayern werden sich an den Landtagsabgeordneten Peter Schmidhuber und langjährigen EU-Kommissar in Brüssel erinnern. Ich durfte damals als Chefredakteur des Mittelstandsmagazins und Pressesprecher der MIT Ihre politische Karriere hautnah verfolgen. Sie gehörten zu der jungen Garde, die nach der Bonner Wende mit Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl den eingeschlagenen Weg zielbewusst weiterverfolgte. O-Ton Hinsken: „Wir sind nicht irgendeine Gruppe, sondern die einzige, die seit Jahren konsequente Politik für den Mittelstand gemacht hat.“

Ihr Engagement für den Mittelstand war glaubwürdig und überzeugend und so wurden Sie 1993 zum Stellvertretenden Vorsitzenden der MIT gewählt bis zum Jahr 2001. Von 1992 bis 2000 waren Sie zugleich Landesvorsitzender der Mittelstandsunion in der CSU. Zu Beginn der 80er Jahre hieß es noch Arbeitsgemeinschaft Mittelstand der CSU. Ich erinnere mich noch gut an die bayerische Kernmannschaft, bestehend aus Richard Wengenmeier, Klaus-Dieter Breitschwert, Richard Gürteler, Peter Schmidhuber und vor allen Dingen Ihnen. Diese nachhaltige personelle Verstärkung aus Bayern hat uns auch im Bund gut getan. Wir jedenfalls haben die Bayern nie als Störenfriede empfunden. Im Bundestag waren Sie Wirtschafts- und Verkehrspolitischer Sprecher der CSU Landesgruppe, im Jahre 1998 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und von November 98 bis November 2005 Vorsitzender des Ausschusses für Tourismus im Deutschen Bundestag. Dass Mittelstand und Tourismus eng zusammen gehören, liegt auf der Hand, und das nicht nur für Kenner der Materie. Der ganz überwiegende Teil der deutschen Tourismuswirtschaft ist mittelständisch strukturiert, es sind Eigentümer-geführte Hotels und Gaststätten, kleine Betriebe, die sich im Freizeitbereich eine Nische erkämpft haben. Tourismus, das ist eben nicht nur Lufthansa, TUI oder Deutsche Bahn.

Tourismus, das ist zum Beispiel der unermüdliche Einsatz vieler Wander- und Heimatvereine für Wanderbegeisterte. Sie, lieber Herr Hinsken, haben als Beauftragter der Bundesregierung für Tourismus, hier neue Akzente gesetzt, unter anderem auch durch die Verleihung des Prädikats „Qualitätsweg wanderbares Deutschland“. Erst gestern wurden auf der Fachmesse „TourNatur“ in Düsseldorf wieder zwölf neue Wanderwege mit diesem Prädikat ausgezeichnet. Durch die Pflege unserer Wanderwege wird wertvolle Natur und Kulturlandschaft erhalten. Unser Land verfügt nicht nur über oft verstopfte Autobahnen, es verfügt auch über 190.000 Kilometer Wanderwege. Gestern hat Ernst Hinsken in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass 56 Prozent der Deutschen sich als Gelegenheitswanderer bezeichnen und übe 28 Prozent mehrmals im Monat wandern.

Nicht jeder Urlauber will sich sein Freizeitpaket für die schönsten Wochen des Jahres aus einem Katalog kaufen. Gott sei Dank! So hat sich gerade der Urlaub in den eigenen Zeltwänden und Schlafkojen beinahe stürmisch entwickelt. Im ersten Halbjahr 2009 entfielen laut Statistischem Bundesamt über acht Millionen Übernachtungen auf den Campingsektor. Das sind 12,4 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Sicherlich auch eine Entwicklung, die mit dem knapper gewordenen Geldbeutel zusammenhängen mag. Sie, lieber Herr Hinsken, haben die Entwicklungen in diesem Markt stets aufmerksam beobachtet, innovativ beeinflusst und neue Akzente gesetzt. Doch dazu später noch mehr.

Es handelt sich bei der Tourismusbranche um einen wirtschaftlich außerordentlich bedeutsamen Sektor. Die Bruttoumsätze im Deutschlandtourismus belaufen sich nach vorsichtigen Berechnungen auf jährlich über 212 Milliarden Euro inklusiv der Kosten für An- und Abreise. Auch die Anzahl der Übernachtungen ausländischer Gäste in Deutschland ist Ihnen wichtig. Sie konnten in Ihrer Amtszeit seit 2005 von 48 Millionen auf über 56,5 Millionen gesteigert werden. Das ging nicht ohne konkrete Maßnahmen wie zum Beispiel die Aufstockung der Zuwendungen an die Deutsche Tourismuszentrale. Tourismuspolitik ist auf dem verschiedensten Gebieten unterwegs. Ich nenne nur einige Beispiele, an die der Laie kaum denkt:

-      da geht es zum Beispiel um ein Hotelfreundliches Gebührenmodell für den Fernsehempfang,
           also um die GEZ-Gebühren;

-      oder um eine Verbraucherfreundliche Vermittlung von Reiseversicherungen;

-      oder um den so genannten Sommerferienkorridor, also um die unterschiedlichen Zeiträume
            der Ferien in den einzelnen Bundesländern;

-      oder um die Flexibilisierung der Katalogpreise. In welchen Ausnahmefällen dürfen Reiseanbieter
            die angegebenen Preise ändern?

-      Es geht um den Mehrwertsteuersatz für Seilbahnen;

-      Oder um die unbürokratische Genehmigung von so genannten Taxibooten, ein neues
           touristisches Dienstleistungsangebot.

 

Um solche Themen kümmert sich der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung. Tourismuspolitik ist eine hoch spannende Querschnittsaufgabe. Der Bundesregierung geht es vor allem um die Förderung von Projekten und Einzelmaßnahmen zu Gunsten eines nachhaltigen Tourismus. Insbesondere der Fahrrad-Tourismus als umweltfreundliche und gesundheitsfördernde Tourismusform wird unterstützt unter anderem durch den Bau wichtiger Radfernwege. Viele Bundesländer wollen im Rahmen der Umsetzung des Konjunkturpakets II zur Förderung der Infrastruktur gerade in Radwege investieren. Und Tourismuspolitik ist auch Mittelstandspolitik,

-      wenn es um Kreditprogramme der KfW geht,

-      wenn es um günstigere Abschreibungsbedingungen geht,

-       wenn es um die Verringerung der Lohnzusatzkosten geht,

eine lange Reihe von Beispielen ließe sich hier aufzählen. Hervorheben möchte ich besonders die aktive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Ernst Hinsken für den Tourismusstandort Deutschland. Sie zeichnet sich aus durch Pressekonferenzen, durch Reden und Grußworte auf den wichtigen Branchenveranstaltungen wie Tourismusgipfel, German Travel Markt, ITB, DRV-Jahrestagung, etc.

Tourismuspolitik, sowie Europa- und internationale Politik haben viele Berührungspunkte. Das zeigt ein Blick in den Terminplan von Ernst Hinsken:

-      er war Initiator einer EU-Ministerkonferenz am 15. und 16. Mai 2007 in Berlin,

und Sie waren Gastgeber von zwei Konferenzen in 2007 und 2008 zum Thema „Internationale Städtepartnerschaften – unentdeckte Potentiale für den Tourismus“. Als Mitglied des Komitees für Städtepartnerschaften und internationale Beziehungen der Stadt Neuss möchte ich diese Aktivitäten ganz besonders begrüßen. Wir pflegen in Neuss Städtepartnerschaften mit einer amerikanischen, einer russischen, einer französischen, einer kroatischen und einer türkischen Stadt. Es ist verständigungs- und friedensstiftende Basispolitik, wenn sich die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Neuss mit der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Nevsehir in Kapadokien zum Erfahrungsaustausch trifft. Oder wenn Sportler aus den fünf Partnerstädten nach Neuss zum so genannten Quirinus-Cup kommen. Der Wert solcher praxisbezogenen Partnerschaften kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie zu fördern, ist ein ganz großer Verdienst von Ernst Hinsken.

Ich kann nicht beurteilen, wie viel Zeit dem Abgeordneten Hinsken bleibt, um an Bundestagssitzungen teilzunehmen. Bedingt durch seinen Spezialauftrag ist er fast pausenlos unterwegs. Ganz wichtig seine Informationsreisen in die neuen Bundesländer, leider für viele Westdeutsche immer noch weiße Flecken auf der Landkarte.

Die Themen, die Ernst Hinsken beackert, werden manchmal auf den ersten Blick vom Urlaubsflair umweht. Aber tatsächlich geht es um harte Kärnerarbeit. Bei den Branchenterminen dreht es sich um Ferienbauernhöfe, um Geschäftsreisemanagement, um Bustourismus oder um barrierefreies Reisen. Denn auch der Tourismus ist von demographischem Wandel betroffen. Und überall gilt der Kernsatz: „Der Gast hat immer Vorrang“.

Es gibt eine Menge von Prinzipien, die ein gutes touristisches oder gastronomisches Angebot auszeichnen. Der treffendste Spruch stammt aus meiner Sicht von dem Deutsch-Amerikaner Horst Schulze, fast zwei Jahrzehnte lang war er Präsident der Ritz Carlton Gruppe. Seine Unternehmensphilosophie zur Motivation der Mitarbeiter lautete: „Ladies and Gentlemen are serving Ladies and Gentlemen“.

Heute, lieber Herr Hinsken, sind Sie unser Gast, hier im Hotel Maritim und ich hoffe, es genügt Ihren Ansprüchen. Wir hätten Sie auch in Ihrem Wahlkreis mit einer Stretch-Limousine abholen und Ihnen die Präsidentensuite des Bayerischen Hofes zur Verfügung stellen können. Das entspräche aber nicht Ihrem Stil und Ihrem Lebensgefühl. Im Gegensatz zu einer bekannten Ministerin sind Sie stets bodenständig und in der Heimat gut verwurzelt geblieben. Das kann nicht verwundern, wenn jemand aus dem wunderschönen Haibach mitten im Naturpark Bayerischer Wald kommt. Nur einem niederbayerischen volksnahen Vollblutpolitiker gelingt es, acht Legislaturperioden hintereinander als Mitglied des Deutschen Bundestages gewählt zu werden.

Sie sehen, liebe Freunde, unser neues Ehrenmitglied passt hervorragend in die Gemeinschaft der Föderation Internationaler Tourismusjournalisten und der Europäischen Journalisten hinein. Wir sind stolz, dass wir nach dem Europapolitiker Dr. Ingo Friedrich nun einen weiteren Politiker aus Bayern in unseren Reihen haben.

Für die nächsten Wochen wünschen wir Ihnen viel persönlichen Erfolg, Glück und Gesundheit und ich darf Sie nun bitten, die Ehrenurkunde in Empfang zu nehmen.