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24.10.2005 Von: Michael Jäger
 

6. Münchener Mediendialog Oktober 2005

Interview mit Seekport-Geschäftsführer Hermann Havermann in „DBB-ECHO 2/2005“


Gespräch/ Suchmaschinenmarkt darf nicht monopolisiert werden

Bessere Qualität und mehr Funktionalität

Suchmaschinen spielen heute eine zentrale Rolle in der Informationsgesellschaft. Ohne dieses Instrumentarium wäre der ungehinderte Zugang zum digitalen Weltwissen kaum möglich.  Aber der Markt ist durch ganz wenige große Anbieter (z.B. „google“) stark monopolistisch strukturiert. Nun versucht ein Newcomer unter dem Namen „Seekport“ sich hier zu etablieren und neue Akzente zu setzen. Rotger Kindermann und Klaus Michel sprachen mit Hermann Havermann, Managing Director von Seekport Internet Technologies GmbH.

Echo: Herr Havermann, wieso trauen Sie sich zu, in diesem schwierigen Markt erfolgreich zu sein?

Havermann: Wir sehen heute, dass in dem Suchmaschinen-Markt Benutzer mehr und mehr unzufrieden sind über die Qualität der Suchergebnisse, die sie bei den großen Suchmaschinen erhalten. Dies wird belegt einmal durch Umfragen, die das Magazin „Wirtschaftswoche“ im Dezember 2004 gemacht hat. Diese Auffassung wird auch belegt durch eine Forsa-Umfrage, bei der Benutzer sich über den Müll in Suchmaschinen beschweren. Vor diesem Hintergrund sehen wir gute Chancen, eine neue Qualität und neue Maßstäbe zu setzen. Das war für uns mit ausschlaggebend, die neue Suchmaschine „Seekport“ zu gründen. Wir wollen dem Nutzer eine größere Qualität und eine bessere Funktionalität anbieten.

Echo: Wodurch erreichen Sie konkret bessere Qualität und mehr Funktionalität?

Havermann: Auf der Qualitätsseite haben wir als einzige Suchmaschine ein Index-Team mit einer langjährigen Erfahrung in der Verbesserung der Trefferqualität und im Ausschluss von Spam und Dialern. Wir haben momentan Index-Teams in Hamburg, Paris und London und erreichen damit im deutschsprachigen Raum sowie in Frankreich und Großbritannien eine sehr hohe Qualität bei den Suchergebnissen. Mit der einzigartigen Themensuche können wir dem Benutzer einen hohen Komfort bieten, so dass er seine Suchanfrage besser und einfacher formulieren kann und somit schneller zum gewünschten Ergebnis kommt.

Echo: Google finanziert sich hauptsächlich durch Werbung. Auch andere haben es damit auf diesem Markt versucht, sind aber gescheitert. Was veranlasst Sie zu Optimismus?

Havermann: Da ist einmal die Technologie, bei der wir schon eine sehr große Erfahrung im Suchmaschinenbereich haben. Wir haben unsere Technologie bereits bei T-Online unter dem Label „Infoseek“ zum Einsatz gebracht und  damit sehr große Erfolge erzielt. Diese Technologie wurde ständig weiter entwickelt und kommt heute wieder zum Einsatz. Die Finanzierung erfolgt über starke Investoren, die Vertrauen in den Markt, in die Technologie und in das Team haben und eine solide Finanzierung garantieren. Daneben erzielen wir jedoch auch schon Erlöse durch Werbeverträge mit unseren Partnern.

Echo: Können Sie noch etwas konkret über Ihre Partner sagen?

Havermann: Bei der Internet-Suche arbeiten wir heute mit dem führenden europäischen Vermarkter in der Internet-Vermarktung, mit der Firma Espotting zusammen. Wir sind der wesentliche Partner für die Lieferung von Internet-Suchanfragen für Espotting in Deutschland. Zusammen mit Espotting stellen wir heute die Internetsuche für viele große Portale in Deutschland, wie z.B. bei Freenet, Pro Sieben, Sport 1, und andere. Weiter arbeiten wir mit großen Verlagen zusammen. Wir sind stolz, dass wir für den Axel Springer Verlag erfolgreich die Suche in den digitalen Archiven der Zeitungen Die WELT, Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost und BZ unterstützen können.

Echo: Was sind konkret Ihre Marktziele? Es gibt in Deutschland 1,5 Milliarden Suchanfragen. Welchen Anteil des Kuchens wollen Sie abschneiden?

Havermann: Es ist unser Ziel, zu den führenden europäischen Suchmaschinen-Anbietern zu gehören. Wir haben uns dafür zunächst mal in Deutschland aufgestellt. Danach sind wir in Frankreich und in England gestartet und wir werden im ersten Quartal 2005 in Italien beginnen. Im zweiten Quartal wollen wir Spanien und im letzten Halbjahr auch andere Länder Europas abdecken. Es ist unser Ziel, innerhalb von zwei Jahren in Europa einen Marktanteil von zehn bis 15 Prozent bei den Suchanfragen zu erreichen.

Echo: Mit welchen Aktivitäten wollen Sie den Bekanntheitsgrad von „Seekport“ in Deutschland steigern?

Havermann: Wir realisieren, dass wir durch die hohe Qualität unserer Suchergebnisse einen ständigen Zuwachs an Benutzern auf unserem Portal und bei unseren Partnern haben. Zufriedene Anwender werden „Seekport“ auch durch eine eigene Mund-zu-Mund-Propaganda weiter empfehlen. Wir werden in den nächsten Wochen für Schulen und Ausbildungsinstitute eine neue Suchfibel zur besseren Nutzung von Internetsuchmaschinen bereitstellen. Im Februar werden wir unseren Anwendern weiterhin eine kostenlose Desktop-Suchmaschine, die so genannte „Seekdesk“, als download zur Verfügung stellen. Sie können dann sowohl auf ihrem eigenen PC wie in Kombination mit der Seekport-Suchmaschine im Internet suchen. Wir sind darauf angewiesen, eine hohe Benutzerbindung sicher zu stellen. Das gelingt in erster Linie durch hervorragende Qualität.

Echo: Der Unterausschuss Neue Medien des Deutschen Bundestages hat kürzlich die Monopolbildung im Internet beklagt. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Havermann: Ich teile diese Meinung und sehe hier die Gefahr, dass einige wenige große Suchmaschinen-Anbieter ihre Monopolstellung im Internet ausbauen. Es geht darum, Meinungsmanipulation und die Monopolbildung mit ihren gefährlichen Effekten, wie erweiterte Möglichkeiten zur Zensur von Trefferlisten oder zur Auswertung der anfallenden und gesammelten Nutzerdaten, zu verhindern.  Ich halte aber auch nichts von der Einrichtung einer zentralen „öffentlich-rechtlichen“ Suchmaschine. Sie müsste wieder durch Kontrollgremien und Beiräte überwacht werden. Um die Informationsfreiheit auf diesem Markt zu sichern, brauchen wir zahlreiche alternative Anbieter, die im freien Wettbewerb dem Nutzer unterschiedliche Angebote zur Auswahl unterbreiten. Mit dieser Zielsetzung möchten wir als Seekport-Betreiber dazu beitragen, die Vielfalt und die Unabhängigkeit bei den Suchmaschinen zu erhöhen.

Echo: Herr Havermann, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.


Info zu Seekport

Gegründet:                   Dezember 2003

Firmensitz:                   Martinsried bei München

Mitarbeiterzahl:             29

Geschäftsbereiche:        Betreiber europäischer

Internet-Suchmaschinen,

Anbieter von Suchfunktionalitäten,

 Belieferung mit Suchergebnissen.

Kontakt:                       Seekport Internet Technologies GmbH

                                   Fraunhoferstraße 17

                                   82152 Martinsried

                                   business@seekport.biz.

Kleines Suchmaschinen ABC

 

Crawler:      Intelligente Software, mit der ständig Informationen aus dem Internet gesammelt werden. Der Crawler sammelt Infos zur späteren Aufbereitung im Index.

Index:         Zentrale Referenz einer Suchmaschine. Hier sind alle Begriffe gespeichert, die auf verschiedenen Web-Seiten gefunden wurden. Der Index enthält den Link zur Web-Seite, auf der der Begriff zu finden ist.

Spam:        Unerwünschte Informationen. Z.B. kommerzielle Werbeseiten oder  pornographische Seiten.

Dialer:        Dialer sind überteuerte oder illegale Einwahlprogramme, die dazu missbraucht werden gegen Gebühren wertlose Infos     runterzuladen.

Seekdesk:  Dies ist die Desktopsuchmaschine der Internetsuch-maschine „Seekport“.   Mit seekdesk kann der Anwender nach Dokumenten und Mails auf seinem Desktop und gleichzeitig nach Informationen im Internet suchen.