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13.11.2006 Von: Jürgen Conrad
 

MIDAS

- ein Netzwerk für europäische Minderheiten


Mit MIDAS wurde den Journalisten der AEJ eine noch junge Organisation vorgestellt. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die „Minority Dailies Association“, der europäische Zusammenschluß von Tageszeitungen, die in Minderheiten- oder Regionalsprachen erscheinen. 31 Zeitungen in 14 verschiedenen Sprachen haben sich inzwischen MIDAS angeschlossen, und neue Mitglieder vor allem aus den Ländern Osteuropas, aber etwa auch aus Wales, wollen sich anschliessen. Schon drei Millionen Leser informieren sich so täglich über die Weltereignisse und natürlich  über alles, was mit ihrer Volksgruppe zu tun hat. In Dänemark etwa ist es „Der Nordschleswiger“ (www.nordschleswiger.dk), der sich in deutscher Sprache an die deutsche Minderheit in Dänemark wendet. In Deutschland gibt es den „Flensburg AVIS“ (www.flensborg-avis.de) in Dänisch für die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein. In Bautzen, im äussersten Osten der neuen Bundesländer,  erscheint die „SERBSKE NOWINY“  (www.serbske-nowiny.de) für die slawische Minderheit der Sorben. In Südtirol – Trentino-Alto Adige wendet sich die „Dolomiten“ an die deutschsprachige Bevölkerung  (www.dolomiten.it)

und an die kleine Minderheit der Ladiner (www.stol.it). Auch die „Tageszeitung“

(info@tageszeitung.it) aus Bozen erscheint in deutscher Sprache.

Alle diese Publikationen sollen, wie der Generalsekretär von MIDAS, Dr. Günther Rautz (g.rautz@eurac.edu)

in der Europäischen Akademie Bozen ausführte, die Öffentlichkeit für die Probleme von Minderheiten sensibilisieren. Sie sollen Informationen untereinander austauschen, Kampagnen organisieren und natürlich Geld aus Brüssel für Minderheiten-Projekte lockermachen. Diese Publikationen „machen Minderheiten in einer Mehrheitsgesellschaft sichtbar“, sagte Rautz. Und sie bewahren ihren Sprachschatz und bereichern so die Kultur des Landes in dem sie leben.

Da, wo  Minderheitenrechte verletzt werden, versucht MIDAS, das sich als Netzwerk versteht, zu intervenieren und Konflikte im Keim zu ersticken. Damit Minderheitenkonflikte friedlich beigelegt werden können, bedarf es auch angemessen ausgebildeter Journalisten, die nicht Öl ins Feuer giessen, sondern sachkundig über das Thema Minderheitenschutz und kulturelle Vielfalt in Europa berichten. 

Dazu dienen Weiterbildungsprogramme, Media workshops in jedem Jahr, Besuchsprogramme, bei denen sich Journalisten austauschen können. Journalisten, die sich bei der Berichterstattung über Minderheitenprobleme und kulturelle Vielfalt besonders ausgezeichnet haben, werden mit dem „Otto von Habsburg Preis“ oder dem MIDAS-Journalistenpreis belohnt.

 

Text und Foto:

Jürgen Conrad