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31.08.2007  

Pressemitteilung

VEJ warnt vor gekauftem Journalismus in Europa


Die freie Berichterstattung und Kommentierung von Wirtschaftsthemen ist zunehmend gefährdet, weil die Herausgeber dem Druck von großen Anzeigenkunden nachgeben. Dieser Trend sei besonders bei deutschen und europäischen Lokalzeitungen festzustellen, hat die Vereinigung Europäischer Journalisten (VEJ) beobachtet. Es häufen sich Klagen von Journalisten, die von unkritischen PR-Inszenierungen einflussreicher Firmen berichten, die ohne eigene Recherche abgedruckt werden. Typisch dafür ist der Fall des freien Journalisten Rolf Garmatter vom Hohenloher Tagblatt, den kürzlich das ZDF-Magazin „Frontal 21“ schilderte. Er hatte vergeblich versucht, dem redaktionsinternen Anpassungsdruck zu widerstehen.

Was laut Wettbewerbsrecht und Pressekodex unzulässig ist, musste sogar das in Hamburg erscheinende „Manager-Magazin“ erfahren. Nach einem kritischen Artikel über den geplanten Börsengang bei der Bahn habe das Unternehmen eine laufende Anzeigenkampagne gestoppt. Die VEJ warnt vor einem Journalismus, der nur noch schönredet und bei dem die innere Pressefreiheit – insbesondere im Bereich der Wirtschaftsberichterstattung – auf der Strecke bleibt. Es sei nicht hinnehmbar, dass Journalistinnen und Journalisten ihren Arbeitsplatz gefährden, wenn sie die Vermischung von Werbung und redaktioneller Berichterstattung ablehnen. Dieser unzulässigen Entwicklung zum „gekauften Journalismus“ müssten die Medienpolitiker in ganz Europa Einhalt gebieten.