Reports

Report

08.09.2008  

EJ: „Krone“-Redaktion soll EU-feindlichen Kampfblatt-Kurs beenden

Brüssel / Trento, 8. September 2008



Mit ernster Sorge betrachtet die „European Journalists Association“ (EJ) die Abkehr des österreichischen Massenblattes „Krone“ (ca. 3 Mio Leser) von bewährten journalistischen Prinzipien. Nach dem Aufruf des Spitzenkandidaten der SPÖ Werner Faymann zu einer Kurskorrektur in der Europapolitik (in einem offenen Brief an die „Krone“) sei das Blatt voll auf eine EU-feindliche Linie eingeschwenkt. Die EJ kritisiert die darin beinahe täglich zu lesenden Schmähungen der Europäischen Union („Brüsseler Diktatur, Entmündigung Österreichs“) und Forderungen nach einem EU-Austritt. Dieser Trend verbunden mit einer völlig einseitigen Wahlwerbung für den SPÖ-Kanzlerkandidaten „wirft die ernste Frage nach dem Demokratieverständnis der ‚Krone’ auf“, so Dr. Paolo Magagnotti, Präsident der European Journalists Association. Besonders bedenklich sei die Rolle, die Österreichs mächtigster Verleger Hans Dichand (87) spiele, der nicht davor zurückschrecke, mit dem Massenblatt aktiv in den österreichischen Wahlkampf einzugreifen und dessen Redaktion sich offenbar zum willfährigen Instrument eines antieuropäischen Kampfjournalismus’ machen lasse. An einem Beispiel schildert Magagnotti die gezielte Manipulation: „Das Blatt zeigte ein Foto der österreichischen Außenministerin Ursula Plassnik von der ÖVP bei der Unterzeichnung des EU-Verfassungsvertrages und nannte sie eine ‚Symbolfigur für den Kniefall’ Österreichs vor der EU. Der neben Plassnik gleichfalls unterschreibende SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer wurde einfach weggeschnitten.“ Magagnotti fordert die Redaktion auf, die manipulative Fehlentwicklung der Zeitung durch ein offenes Bekenntnis zu den journalistischen Grundsätzen der Wahrheit, der Vollständigkeit und der politischen Distanz zu beenden.