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25.09.2008 Von: Zanel Fruchtmann
 

Den Haag:

Unpolitische Betrachtungen eines politischen Reporters


Man kann mit der Hauptstadt Hollands viel mehr verbinden als nur die wohlbekannte  Bezeichnung „City of peace, justice and security“, leider aber wird die Vielfalt der kleinen Metropole Den Haag oft ignoriert.

Journalisten haben es meist sehr eilig und müssen sich mit der Erledigung Ihrer Aufgaben als Berichterstatter begnügen. Sie konzentrieren sich auf ihrem Aufgaben entweder beim Internationalen Strafgerichtshof, dem so genannten  Kriegsverbrechertribunal, oder beim Internationalen Gerichtshof der UNO,  in dem wunderschönen Friedenspalast, wo nur die Staaten das Recht haben  gegeneinander zu klagen. Von Zeit zu Zeit erscheinen in der Medienlandschaft  auch Berichte über große Ereignisse, wie das Treffen der Europäischen Bewegung  in diesem Sommer, als sich politische Persönlichkeiten aus ganz Europa im historischen Hof des holländischen Parlaments versammelten.

Die Schönheit  der Stadt wird leider zu wenig beachtet und gilt bisher lediglich als Geheimtipp  für Kenner und kultivierte Touristen. Nicht alle Liebhaber der Nordsee, die nach dem schicken Badeort Scheveningen eilen,  wo der häufig, kräftig blasende Wind sie in die unzähligen Cafés und Restaurants treibt, nehmen sich genügend Zeit, um den Charme der ruhigen  Atmosphäre der Hauptstadt Den Haag zu genießen. Und das ist schade…

In Konkurrenz  mit der großen Schwester Amsterdam scheint Den Haag bis jetzt den Kürzeren zu ziehen. Es liegt nicht nur am fragwürdigen  Renommee der großen Metropole, in der in vielen  Cafés Drogen zu erwerben sind, sondern auch an der geschickten Werbung der Amsterdamer Tourismusbranche. Weltweit ist Amsterdam als „besonders interessante Stadt“ bekannt.

Jedoch hat man als Besucher jetzt das Gefühl, dass Den Haag bereit wäre sich der Konkurrenz zu stellen. Schnell erlangt man zu der Einsicht, dass Den Haag einzigartig ist und  jeder, der sich die Zeit nimmt ein verlängertes Wochenende hier zu verbringen, wird positiv überrascht sein und zu einem „freiwilligen“ Werbeträger für  Den Haag werden.

Die Idee, die Konferenz der Bürgermeister aus der ganzen Welt für die Entwicklung  der „City Diplomacy“  hier zu veranstalten, bot Anlass, Den Haag und seine Schätze überall auf der Welt bekannt zu machen.

Die „open air“  Skulpturenausstellung, eingerichtet auf dem Platz vor dem Städtischen Museen, wo Künstler aus aller Welt ihre interessanten und verrücktesten Ideen darstellen, erinnert an die Skulpturen auf dem Kurfürstendamm in Berlin. Dort hatte sich eine vorübergehende Ausstellung zum dauerhaften Renner entwickelt. Ohne Weiteres kann man die kleine aber wertvolle Sammlung der Bilder im Mauritshuis Museum – von Rembrandt bis Vermeer - mit den großen Kollektionen des Pariser Louvre oder der Wallace Collection in London vergleichen. Erwähnenswert ist auch die großartige Ausstellung von Piet Mondrian - einzigartig auf der Welt. Und wenn man Glück hat, kann man im Hochsommer einigen wunderbaren Konzerten beiwohnen, wo berühmte Stars verschiedener Bereiche, von Klassik bis Pop, als Gäste musizieren. Höhepunkt des sommerlichen Musikfestes 2008 war das außerordentliche Konzert der weltbekannten Sopranistin  Kiri Te Kanawa und fand im Opernhaus  „Philipszaal“ statt.

Die Einladung einer Gruppe von Journalisten aus verschiedenen europäischen Ländern, gab Gelegenheit, Den Haag in den Medien nicht nur als Stadt der „Gerechtigkeit und des Friedens“ sondern auch als eine Stadt der Kultur darzustellen. Wie die Konkurrenz zwischen dem berühmten Amsterdam und dem weniger bekannten Den Haag ausgeht, ist vorläufig schwer zu beurteilen, sicher ist es aber, dass dieser Wettbewerb letzten Endes ein „win-win“ Spiel bedeutet.