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25.05.2011 Von: Hendrik Schott
 

JENSEITS VON OPERNBALL UND SACHERTORTE: DAS INTERNATIONALE WIEN


Österreichs Außenminister Michael Spindelegger beim "Mediengipfel am Arlberg“ (Foto: Hendrik Schott)

Manchmal trifft man auf das, im Ausland eher wenig bekannte, internationale Wien auch fernab der österreichischen Hauptstadt. So beispielsweise beim letzten "Mediengipfel am Arlberg“, im luxuriösen Designhotel Aurelio des russischen Milliardärs Oleg Deripaska in Lech. Dort berichtete Österreichs Außenminister Michael Spindelegger während eines Pressebrunchs für Auslandskorrespondenten internationaler Medien über die Mitgliedschaft seines Landes im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Darüber hinaus ging er auch auf die Kandidatur Österreichs für den VN-Menschenrechtsrat an. Die Wahlen für dieses Gremium finden im Mai 2011 während der UNO-Generalversammlung in New York statt. "Die weltweite Förderung der Menschenrechte ist seit vielen Jahren ein Kernanliegen der österreichischen Außenpolitik“, so Spindelegger.

 

Österreichs Chancen auf einen Sitz im Menschenrechtsrat dürften nicht schlecht stehen. Neben New York, Genf und Nairobi ist Wien, die ehemalige Hauptstadt eines bedeutenden Vielvölkerstaates, einer der vier Amtssitze der Vereinten Nationen. Nach Angaben der UNO arbeiten dort über 4.000 Beschäftigte aus mehr als 100 Ländern bei den internationalen Organisationen. Das Internationale Zentrum Wien, auch als Vienna International Centre oder "UNO-City" bekannt, ist Sitz verschiedener VN-Einrichtungen. Unter anderem befinden sich dort das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), die Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO) sowie die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO). Von diesen Organisationen dürfte die IAEO, die seit 1957 als erste UN-Organisation in Wien angesiedelt ist, wahrscheinlich im Ausland am bekanntesten sein. Die Kontrolle der friedlichen Nutzung der Kernenergie ist eine ihrer Hauptaufgaben. Weitere Organisationen der Vereinten Nationen, wie der Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR), sind ebenfalls in Wien vertreten.

 

Für Österreichs Kandidatur für den Menschenrechtsrat dürfte ferner die in Wien beheimatete Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) von Bedeutung sein. Ferner hat die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der österreichischen Hauptstadt ihren Sitz. 1975 unterzeichneten 35 Staaten aus Ost und West im Kalten Krieg die KSZE-Schlussakte von Helsinki. Daraus entstand 1995 die OSZE, die inzwischen von Vancouver bis Wladiwostok 56 Mitglieder hat. Sie ist noch immer das einzige sicherheitspolitische Instrument zur Konfliktverhütung und des zivilen Krisenmanagements, in dem alle europäischen Länder, die zentralasiatischen Nachfolgestaaten der UdSSR sowie die USA und Kanada gemeinsam vertreten sind. Zu den wichtigen Organen in der Wiener Zentrale der OSZE gehört der Beauftragte für Medienfreiheit. Seit März 2010 steht Dunja Mijatovic aus Bosnien-Herzegowina an der Spitze dieser Institution.

 

Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), die 1960 in Bagdad gegründete wurde, aber seit 1965 ihren Sitz in Wien hat, ist ein weiterer wichtiger Mosaikstein des internationalen Wien. Es verwundert also nicht, wenn es zahlreiche Vertreter ausländischer Medien zur Berichterstattung nach Wien zieht, auch wenn – ähnlich wie in Brüssel - die Zahl der Korrespondenten in den letzten Jahren spürbar zurückgegangen ist. Susanne Glass, Korrespondentin der ARD, Präsidentin des Verbands der Auslandspresse in Wien und Mitinitiatorin des Mediengipfels am Arlberg: "Allein die Mitglieder in unserem Verband vertreten insgesamt rund 400 Medien aus rund 60 Ländern. Was unsere Mitglieder über Österreich schreiben und senden, erreicht hunderte Millionen Menschen in aller Welt."

 

Dr. Hendrik Schott ist Präsident der Vereinigung Europäischer Journalisten (VEJ). Er war langjähriges Vorstandsmitglied im Verein der Ausländischen Presse (VAP) in Berlin.

Eine leicht gekürzte Fassung dieses Artikels erschien auch in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Business & Diplomacy. mehr...