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09.11.2008 Von: Zanel Fruchtmann
 

Slowenien – Gastgeberland für den Fijet-Jubiläumskongress

Zanel Fruchtmann


Slowenien – Gastgeberland für das Fijet- Jubiläumskongress

Zanel Fruchtmann

 

Das kleine neue Land an der Adria, Slowenien, mit nur zwei Millionen Einwohnern, hat den ca. 200 Delegierten an dem 50. Kongress des FIJET ein facettenreiches, für viele unerwartetes touristisches Potential gezeigt. Als Schmelztiegel verschiedener Kulturen (italienisch, österreichisch, ungarisch und slawisch) bietet dieses Land, das erst in den 90er Jahren seine Unabhängigkeit erwarb, eine solche Vielfalt an touristischen Einrichtungen, dass sogar die anspruchsvollsten Besucher zufrieden sein können. Die Abwesenheit überdimensionaler Monumente wird von der vielfältigen Architektur der Städte reichlich kompensiert. Eine Ausnahme bildet vielleicht das Gebäude des jetzigen Parlaments, welches am Ende der napoleonischen Besatzung in Ljubljana errichtet wurde, um das Treffen der drei Größen – des österreichischen Kaisers, des russischen Zaren und des preußischen Königs  - zu ermöglichen. Nicht umsonst heißt die Hauptstadt „Ljubljana“, was auf Slowenisch „Die Geliebte“ bedeutet!

 

Das Gewicht der Tourismusindustrie in der slowenischen Wirtschaft beträgt 10% vom gesamten Bruttoinlandprodukt (BIP) des Landes. Um diese bemerkenswerte Leistung zu erreichen, wurden entsprechende Investitionen in der gesamten Infrastruktur getätigt. Gleichzeitig mit dem Bau zahlreicher Hotels in allen Komfortklassen wurde auch ein modernes Straßen- und Autobahnnetz errichtet. Diese Anstrengungen haben sichtbare Früchte getragen.

 

Die Zersplitterung des damaligen Jugoslawiens in den 90er Jahren sowie der Krieg zwischen den neu entstandenen Republiken haben dazu geführt, dass Slowenien den Zugang zu den Stränden der Adria verlor. Der Streit mit Kroatien für die paar Kilometer Küste wurde bei dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag bis heute noch nicht gelöst.

Der alte, renommierte Badeort Potorosh war durch diese Situation gefährdet; jedoch haben die forcierte Modernisierung und der Ausbau eines gut gerüsteten Hafens für Yachten verschiedener Größen dem Ort neue Perspektiven eröffnet. Die Einrichtungen der „Marina“ in Potorosh können jetzt mit den benachbarten italienischen Hafen erfolgreich konkurrieren. Hier wurde auch ein Schiffsbauunternehmen gegründet, dessen Produkte weltweites Ansehen genießen. Heute ist Potorosh nicht nur eine Erholungsoase für die wohlhabenden Einwohner der nur zwei Stunden Autofahrt entfernten Hauptstadt Ljubljana, sondern auch ein angenehmer Treffpunkt für verschiedene Kongresse und Arbeitszusammenkünfte.

Außerdem beherbergt Potorosh eine Reihe hochqualifizierter medizinischer Einrichtungen für die Reha-Behandlung orthopädischer Beschwerden.

Die Entwicklung von Zentren für medizinische Behandlungen in ansprechender Atmosphäre ist nicht nur auf die Adria-Küste begrenzt. Die Thermalquellen vom bergischen Krka haben die Eröffnung eines Zentrums für Behandlung, Wellness und Spa bewirkt, das mit den modernsten Einrichtungen anderer Länder rivalisiert. Es gibt hier neben Krankenhaus- und Kurbehandlung die Möglichkeit mit einem Urlaub in den Bergen den Aufenthalt abzurunden.  Der Konkurrenzfaktor spielt wieder eine bedeutende Rolle, da auch diese Region versucht Besucher nicht nur aus den benachbarten Österreich und Italien, sondern auch aus entfernteren Ländern anzuwerben.

 

Als touristische Sehenswürdigkeiten Sloweniens zählen auch die zahlreiche mittelalterliche Schlösser und Burgen, wie z.B.:  Schloss Stanjel, Schloss Velika Nedelja, Burg Ormoz, Schloss Bled und viele andere.

 

Für die Besucher Sloweniens ist die Weinstraße im Brdo-Tal eine angenehme Abwechslung. Hier gibt es die Gelegenheit qualitativ hochwertige Weine zu entdecken, welche sowohl für den Export als auch für den heimischen Gebrauch produziert werden. Neben der Weinstraße hat sich auch der ländliche, sogenannte „agro-ökologische“ Tourismus entwickelt. Nicht weniger als 330 Farmen haben sich in einer Vereinigung, namens KOZOLEK zusammen geschlossen, um den stressgeplagten Stadtbewohnern Ferien in idyllischem, ländlichem Ambiente anzubieten. Dabei sind die Unterkünfte mit modernem Komfort ausgestatten.

 

In dem alten Schloss von Brdo, umgeben von seinem weiten Park, hatten die Teilnehmer des FIJET-Kongresses Gelegenheit Mitglieder der KOZOLEK-Vereinigung zu treffen. Hier war früher die Sommerresidenz der königlichen Familie Karadordevic und später der Ort, wo Präsident Tito seine Jagdferien verbrachte. Auch heute werden Sloweniens Staatsbesucher nach Brdo eingeladen.

 

Der Park ist für alle Besucher geöffnet und viele Touristen sind hier zu sehen. Nicht nur der Park und das beeindruckende Schloss, sondern auch die ganze Gegend von Bled mit dem natürlichen See wird von den Touristen in den Sommermonaten überlaufen. Bei der Vermarktung des Kurortes Bled wird versucht die alten Traditionen des Österreichisch-Ungarischen Kaiserreiches wiederzubeleben.

 

Wenn man von Traditionen spricht, muss man auch eine andere touristische Attraktion erwähnen: Das Dorf Lipica, wo seit fünf Jahrhunderten die berühmte Pferderasse der weißen Lipizzaner gezüchtet wird.  Nach der Besichtigung der Ställe kann man hier, als Höhepunkt des Slowenienbesuchs, eine Vorführung der klassischen Reitkunst erleben. Auch die britische Königin Elisabeth II war diese Tage hier zu Gast und hat sogar ein Lipizzaner Pferd erworben.

 

Die vielfältige touristische Landschaft Sloweniens bietet auch eine Besonderheit in der europäischen Geschichte: die Stadt Gorica. Am Ende des zweiten Weltkrieges wurde die alte Stadt geteilt, die größte Fläche von Gorica wurde Italien zugewiesen. Dicht daneben entstand rasch eine neue slowenische Stadt – Nova Gorica. Bei der Aufnahme in die EU wurde das Zentrum der beiden Orte „Europamarkt“ genannt und hier wurde diese Aufnahme gefeiert. Auf diesem Markt ist eine Linie zu sehen – die Stadtgrenze; Menschen können mit einem Fuß in Italien und mit dem anderen in Slowenien stehen und sich fotografieren lassen.

Der Bürgermeister von Nova Gorica, Mirco Brull, stellte die bewegteGeschichte seiner Stadt dar: Auch im ersten Weltkrieg waren hier furchtbare Kämpfe geführt worden und die Stadt hatte mehrmals verschiedene Besatzer. Im kleinen Stadtmuseum neben dem Europamarkt ist das Leiden der Bevölkerung dokumentiert.

Während der schwierigen Zeit der Trennung Europas in zwei feindliche Lager war dieser Markt durch Stacheldraht getrennt. Der italienische Bürgermeister des alten Gorica, Etore Romoli, unterstrich die gegenseitige Aufwertung beider Städte nach der Vereinigung. Nicht nur die geschichtlichen Erinnerungen und die Entwicklung der beiden Gorica machen die Gegend attraktiv für Touristen, sondern auch das milde Klima der Region und die schöne Landschaft tragen dazu bei.

 

Der 50. Kongress von FIJET hat sich intensiv mit dem Problem der Umwelterhaltung bei der Entwicklung des Welttourismus befasst. Gerade in dieser Hinsicht bietet Slowenien ein positives Beispiel.

Slowenien hat den geladenen Journalisten und Autoren ein nahezu perfektes Bild geboten.

Ich erinnere mich an eine Anekdote mit der ich diesen Bericht beschließen will: Ein Journalist wird in den Himmel geschickt um dort Recherchen bezüglich der Organisation des Tourismus anzustellen. Nach seiner Rückfahrt auf die Erde berichtet der Journalist von seinen großartigen Erlebnissen.

Eines Tages stirbt der Journalist und fährt in den Himmel auf. Dort begegnet man diesem, entgegen seiner Erwartungen, mit Gleichgültigkeit. Als er seine Verwunderung äußert, antwortet man ihm unmissverständlich: Damals warst du hier um Recherchen in unserem Interesse anzustellen. Heute bist du Irgendeiner, wie alle anderen Toten auch.

 

Ich hoffe, dass die zukünftigen Besucher Sloweniens mit der gleichen Sorgfalt und Herzlichkeit behandelt werden wie die Teilnehmer des FIJET. Ich habe Vertrauen darin, dass dem so sein wird.